Planet Media Production GmbH

9. September 2010 | 14:52 Uhr

captain 09
Sonja Resch

resch total

Hier kreisen resche Gedanken frei um den Planeten...


31.01.2009 | 21:20 Uhr

Weihbischof Wagner: Alle Order kommen aus Rom

Ein Mann scheidet die Geister, ein Mann scheidet die Kirche, ein Mann scheidet die Provinz, ein Mann scheidet Linz. Der neue Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner, ehem. Pfaffe aus Windischgarsten. Einige seiner Anhänger glauben tatsächlich, dass ein Mann wie er schon längst nötig war um Linz wieder an die Weltkirche anzuschließen.

Ein eiserner Besen sei gefragt um Linz wieder aus den sektenartigen Usancen zu führen. Andere wiederum befürchten eine Katastrophe mit diesem erzkonservativen Mann an der Seite vom ohnehin erzkonservativen Bischof Ludwig Schwarz. Beide halten außerdem einen guten Draht zu Rom und kein Wunder also - ist Vitamin B doch auch im Vatikan ein gängiges Medikament oder Instrument - dass Papa Ratzinger sich ganz nach seinem Dünken seine Jünger in den Stand wählt und die Vorschläge der Diözese ignoriert und übergeht. Ein weiterer Grund zur Aufregung hier in Linz.

Nichts gegen Rom. Nichts gegen den Papst. Ich kenne ihn ja auch nicht persönlich und vermag mir also kein rechts- oder reschmäßiges Urteil zu bilden, aber ich kenn da ein paar Geschichten. Es gab eine Zeit, da war ich oft in Rom, hin und wieder auch im Vatikan. Wirklich ein Staat für sich. Wahrlich. Da machen Augen Ohren. In Rom lebt eine ältere Freundin von mir, Dolmetscherin. Durch ihre Professionalität und Eleganz wurde sie auch immer wieder zum Papst geholt um ihm zu übersetzen. Da gibt es ein paar nette Anekdoten. Jesas Maria!!!

Und den Bischof Schwarz hab ich natürlich schon persönlich kennengelernt, hatte die hochwürdige Ehre ihn im Talk zu begrüßen. Dabei fiel mir nach kürzerster Zeit auf, dass er mir auf jede noch so andere Frage immer mit der selben Antwort begegnete. Zuerst einen Satz angerissen und dann das Ruder immer herumgerissen um immer wieder einfach ganz politikergemäß seine Rede und Botschaft anzubringen als würde er die Sonntagspredigt im Hohen Haus oder von der Kanzel halten. Sie können mir glauben, dass ich mich nach ein paar Minuten mit mir selber langweilte, was sonst nie der Fall ist bei einem Talk. Ich schaffe es immer wieder den Faden an mich und meine Fragen zurückzuführen, doch dieser "schwarze" Faden ist mir definitiv entglitten und ich konnte ihn beim besten Willen nicht mehr in eine konkstruktive und kreative Richtung stricken.
Der Bischof predigte weiter seine Leier. Er hat sein Programm durchgezogen und mich als Journalistin gar nicht wirklich wahr genommen. Es war für ihn einfach nur eine weitere Möglichkeit sich medienwirksam zu präsentieren, die er optimal nutzen wollte, fern jeder Menschlichkeit und Realität. Doch wirklich Gutes hat er sich selbst dabei nicht getan. Medien haben Macht und wir haben dann am Schnittplatz wenigstens versucht das Gespräch annähernd interessant zusammenzuschnipseln.

Ich war danach persönlich und menschlich enttäuscht. Es ist ja nicht so, dass ich den Kirchenbrüdern noch irgendetwas abverlangen würde oder ihnen glauben oder auf sie schwören würde, dennoch gibt es vereinzelte Fälle, die mich sogar aus der Tiefe des Atheisten oder Agnostikers zurückholen konnten. Bruder Theo zB, der meine Kinder getauft hat, Pfarrer aus Ottensheim, ein weltlicher, der im Dorfwirtshaus lustige Witze erzählt, in Cordhose und Shirt herumradelt und einer von seinen Schafen war. Seine Predigten waren - auch wenn ich nur ganz wenige gehört hab - eine Oase der Nachdenklichkeit, nicht mehr und nicht weniger. Sie ließen Raum für eigene Ansätze. Und das war gut so.

Und dann gab es den liberalen Bischof Maximilian Aichern, der mir schon bei der Firmung seine Salbung mitgab. Auch ihn lernte ich über meine Tätigkeit beim Fernsehen dann noch mal näher und persönlich kennen. Er war ein Bischof, der mit der Zeit ging. Und das war gut so.

Und nun saß ich da einem schwitzenden, wohlgenährten, übergewichtigen Bischof gegenüber, der stehengeblieben schien und jede meiner Fragen im Ansatz ignorierte, der nie auf den Punkt kam sondern auswich und damit gar nichts sagte und antwortete. Das war eine Enttäuschung für mich nach Theo und Maxi. Der ist wie aufgezogen, wie ein Band, das man abspult, sagte ich damals zu meinen Kameraleuten. Eine Maschine, kein Mensch. Und ein Bischof sollte ja bitte doch auch Menschen bleiben, oder?

Und dieser Wagner, der Neue, den Rom uns nun aufs Aug drückt und der den "Harry Potter"-Romanen einen Beitrag zum Satanismus vorgeworfen hatte und der angesichts des Wirbelsturm-Dramas in New Orleans sinnierte, ob Umweltkatastrophen nicht eine Folge der "geistigen Umweltverschmutzung" seien, der soll nun unseren Kurs hier also korrigieren und alle Wege nach Rom führen. Aha. Er sei selber voll geschockt und habe nie damit gerechnet, sagte er um sieben Uhr morgens heute schon im Radiointerview. Das klang auch ehrlich. Er schaut durchaus sympahtisch aus und er wirkt auch sehr besonnen, intelligent und weltoffen, ganz anders eigentlich als Schwarz. Menschlicher.

Also sollte man ihm, wie er selber über die Medien bittet, wohl eine Chance geben und ihn daran messen was er tut. Mal sehen was er so tut. Bitte den Jugendlichen, um die Sie sich lobenswerterweise sehr annehmen, keine Angst einjagen mit satanischen Befürchtungen und bitte, Herr Wagner, keinen weiteren Harry Potter sondern lieber die neue Bibel lesen. Vielleicht aber war oder ist unser neue Weihbischof ja einfach nur ein Meister in Selbstvermarktung. Immerhin hat er es mit seiner Schwarzmalerei geschafft die Aufmerksamkeit und das mediale Interesse auf sich zu lenken. Aber lieber Herr Weihbischof, lateinische Fluchsprüche, die keiner verstehe und die im Unterbewusstsein weiterwirken, beängstigten Sie, weil man sich einer Sprache bedient, die niemand versteht, sagten Sie, weil man damit magische Kräfte mobilisieren möchte und nicht den liebenden Gott.. Bittschön Herr Wagner, nun kommens aber wieder runter von Ihrem Trip und sind nicht grad Erzkonservativen fürs Lateinische? Man muss sich doch wundern. 

Die einen hören Stimmen, die anderen haben diesen Verfolger und jene wiederum einen anderen und sehen in allem den Satan. Dass es diese dunkle Kraft und Macht gibt, und zwar mitten unter uns, das ist gar nicht so abwegig, aber der Potter ist wahrlich nicht die Gefahr, für die Sie ihn halten. Einen Lesetipp hab ich an der Stelle für Sie: Artemis Fowl. Jugendliteratur mit verschlüsselten Botschaften und Geheimschriften. Mein Sohn hat die paar Bänder verschlungen. Wir haben gemeinsam gerätselt was es mit der Verschwörung auf sich hat. Auf den Satan sind wir nicht gekommen. Da braucht es dann wohl doch noch mehr geistliche als weltliche Phantasie.

Wie auch immer: Ich wünsche Ihnen Alles Gute bei Ihrer Überzeugungsarbeit, die Sie leisten müssen um viele Schafe, die die Herde wegen Ihnen verlassen haben, wieder zurückzutreiben. Ich wünsche Bischof Schwarz mit Wagner den kreativen In- und Output, den ich bei ihm so schmerzlich vermisse und Rom und Ratzinger wünsche ich keine Überschwemmungen im Sinne einer Umweltkatastrophe und hoffe, dass unser Papst 09 mal Zeit findet seine Heimat und dabei auch gleich die Kulturhauptstadt, unser Linz, zu besuchen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass seine Wahl die Provinz mehr scheidet als eint. Ist das das Ziel von Kirche und Glaube?

Und noch was meine hochwürdigen Herren: Heute hindert niemand mehr den Klerus seine Engstirnigkeit und Seltsamkeit öffentlich auszustellen. Aber dann über den Schwund an Gläubigen und Gläubigkeit an sich zu jammern zeugt schon von seltener Ignoranz! Die katholische Kirche steht in Flammen und der Papst gießt Öl ins Feuer…

Amen!

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